Ausgangslage
Im Technikraum hing fast alles, was ein modernes Haus braucht: ein beschrifteter Verteiler mit Notstromumschaltung, ein Hybrid-Wechselrichter mit Batteriespeicher, eine Lambda-Wärmepumpe mit Modbus-Schnittstelle, ein Regler für den Heizstab und ein NAS-Server im Rack. In den Wohnungen steuerte Bosch Smart Home Licht und Rollläden, mehrere Bosch Universalschalter II lösten Szenen aus, dazu kamen einzelne Shelly-Aktoren. An der Wand hing bereits ein Touchpanel.
Nur wussten die Geräte nichts voneinander. Bosch hatte seine App, die Wärmepumpe ihr eigenes Display, der Wechselrichter wieder eine andere App. Home Assistant lief zwar schon auf dem NAS, aber als abgespeckte Container-Version aus dem App-Center, ohne Add-ons und ohne Erweiterungen. Das WLAN kam aus dem Router des Providers und zwei Repeatern verschiedener Hersteller, die Türklingel speicherte ihre Videos in der Cloud eines US-Konzerns. Und an der Hauswand hing die Wallbox, die mit dem E-Auto gekommen war: die Standard-Ausführung aus dem VW-Konzern, ohne App und ohne Schnittstelle. Sie lädt, sobald das Kabel steckt, egal ob gerade die Sonne scheint oder im Haus Herd und Wärmepumpe laufen.
Aufgabe
Der Kunde wollte kein neues System, sondern eine Zentrale für das, was schon da ist: Home Assistant als gemeinsame Oberfläche, die Wärmepumpe, die Bosch-Geräte und das E-Auto darin, und das Ganze auf dem Wandpanel im Technikraum. Dazu ein WLAN, das im ganzen Haus trägt, und eine Türklingel, deren Aufnahmen im Haus bleiben. Gerade in einem Haus mit mehreren Parteien ist das kein Detail.
Umsetzung
Home Assistant auf dem vorhandenen Server
Statt einen weiteren Rechner zu kaufen, habe ich Home Assistant auf dem NAS neu aufgesetzt: als vollwertiges Home Assistant OS in einer virtuellen Maschine statt als Container. Damit stehen Add-ons, Erweiterungen und automatische Sicherungen zur Verfügung, und die Hardware, die ohnehin rund um die Uhr läuft, übernimmt eine Aufgabe mehr.
Bosch Smart Home eingebunden
Der Bosch Smart Home Controller II hängt über die offizielle Integration an Home Assistant. Licht, Rollläden und die Universalschalter tauchen dort auf und lassen sich mit allem anderen im Haus verknüpfen. Die Bosch-App funktioniert weiter wie gewohnt.
Wärmepumpe über das Netzwerk
Die Lambda-Wärmepumpe spricht Modbus TCP, ein offenes Protokoll über das Hausnetz. Home Assistant liest darüber Temperaturen, Betriebszustand und Energiewerte aus. Auf dem Wandpanel stehen jetzt Boiler, Außentemperatur und Energiemanager neben dem Wasser-Hauptschalter und den Lichtszenen.
E-Auto laden, ohne die Wallbox zu tauschen
Die Wallbox kann nur eines: laden, sobald das Kabel steckt. Eine neue, steuerbare Wallbox wäre eine Lösung gewesen. Einfacher ist es, das Auto selbst zu fragen: Home Assistant ist über die Online-Dienste des Herstellers mit dem Fahrzeug verbunden, sieht den Ladestand und kann das Laden starten und pausieren. Eingerichtet und getestet ist das bereits.
Als Nächstes wird das Auto damit Teil des Energiemanagements: Es soll bevorzugt laden, wenn die PV-Anlage Überschuss hat, und sich zurücknehmen, wenn im Haus gerade viel Strom gebraucht wird. Die Wallbox bleibt, wie sie ist.
WLAN und Türklingel
Für das Netzwerk habe ich ein Konzept mit TP-Link Omada erstellt und die Hardware geliefert: Router, PoE-Switch, Controller, drei Access Points in Wanddosen und einen für den Außenbereich. Die neue Video-Türklingel von Reolink hängt per Netzwerkkabel am Switch, bekommt darüber auch den Strom und speichert lokal. Montiert hat der Kunde selbst, die Inbetriebnahme von Netzwerk und Klingel habe ich übernommen.
Aus der Praxis: Bosch reicht nur eigene Geräte weiter
Wer am Bosch Controller Zigbee-Geräte anderer Hersteller angelernt hat, sieht diese in Home Assistant nicht. Bosch-eigene Schalter, Thermostate und Rollladenaktoren kommen vollständig an. Fremdgeräte hängt man besser direkt an einen Zigbee-Stick in Home Assistant.
Ergebnis
- Eine Oberfläche für Bosch Smart Home, Wärmepumpe und Szenen, am Handy und am Wandpanel.
- Kein zusätzlicher Rechner: Home Assistant nutzt den Server, der ohnehin im Rack steht.
- Das E-Auto ist angebunden, ohne neue Wallbox. Laden mit PV-Überschuss ist damit vorbereitet.
- WLAN aus einem System statt Provider-Router plus Repeater.
- Türklingel ohne Cloud-Zwang, die Aufnahmen bleiben im Haus.
Und weil jetzt alles in einer Zentrale zusammenläuft, lässt sich jede weitere Idee dort umsetzen, etwa Warmwasser zu bereiten, wenn die PV-Anlage Überschuss hat.
Fotos
Eingesetzte Technik
- Bosch Smart Home Controller II mit Universalschaltern IIBestand, über die offizielle Integration in Home Assistant eingebunden.
- Lambda-WärmepumpeBestand, über Modbus TCP an Home Assistant.
- E-Auto mit Wallbox aus dem VW-KonzernBestand. Die Wallbox hat keine Schnittstelle, Home Assistant startet und pausiert das Laden über die Fahrzeug-Integration des Herstellers.
- Home Assistant OSAls virtuelle Maschine auf dem vorhandenen NAS-Server.
TP-Link Omada ER605Router mit VPN, ersetzt die Router-Funktion des Provider-Geräts.
TP-Link Omada SG2210MPPoE-Switch, versorgt Access Points und Türklingel über das Netzwerkkabel.
3 × TP-Link Omada EAP615-WallAccess Points in der Wanddose, WLAN in den Wohnungen.
TP-Link Omada EAP603-OutdoorAccess Point für den Außenbereich.
TP-Link Omada OC200Controller, verwaltet das ganze Netz an einer Stelle.- Reolink Video Doorbell PoEVideo-Türklingel mit Aufzeichnung im Haus, ohne Cloud-Zwang.
Passt das zu deinem Haus?
Wenn bei dir schon vieles da ist, aber jedes Gerät seine eigene App hat, ist Home Assistant fast immer der schnellste Weg zu einem Ganzen. Mehr dazu auf der Seite Home Assistant einrichten lassen, und wenn du noch zwischen den Systemen schwankst, im Ratgeber Loxone oder Home Assistant. Wie Auto, Wärmepumpe und PV zusammenspielen, steht unter Energiemanagement. Für ein WLAN, das auch durch Betondecken trägt: WLAN im ganzen Haus.