Warum Einspeisen so wenig bringt
Vor ein paar Jahren war Einspeisen noch ein Geschäft. Heute bekommst du für die Kilowattstunde, die ins Netz geht, nur einen Bruchteil von dem, was du abends für den Bezug zahlst. Die genaue Vergütung hängt von deinem Abnehmer ab, das Verhältnis bleibt aber ungünstig.
Deshalb lautet die Rechnung nicht mehr möglichst viel einspeisen, sondern möglichst viel selbst verbrauchen. Eigenverbrauchsquote heißt der Anteil des PV-Stroms, der im Haus bleibt. Ohne Steuerung liegt sie im Einfamilienhaus oft um die 30 Prozent, weil mittags niemand zu Hause ist und die großen Verbraucher abends laufen. Mit Steuerung sind je nach Anlage 50 bis 70 Prozent drin, weil Warmwasser und Autoladen in die Mittagsstunden wandern.
Die Reihenfolge der Verbraucher
Ich ordne die Verbraucher nach dem Nutzen pro Kilowattstunde und nach dem Aufwand, sie steuerbar zu machen. Diese Reihenfolge hat sich in meinen Projekten bewährt:
- Haushalt. Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner mittags starten. Das nutzt Überschuss ganz ohne Technik.
- Warmwasser. Wärmepumpe oder Heizstab heben die Speichertemperatur mittags an. Wärme ist der günstigste Speicher im Haus.
- Wallbox. Das Auto lädt nur, wenn Überschuss da ist, und regelt mit der Sonne mit.
- Batteriespeicher. Nimmt, was übrig bleibt, für den Abend.
- Heizung. Im Frühjahr und Herbst hebt die Wärmepumpe mittags die Vorlauftemperatur leicht an. Fußbodenheizung und Estrich werden zum Puffer.
| Verbraucher | Wie steuerbar | Was es braucht | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Haushaltsgeräte | Startzeit oder Startverzögerung am Gerät | Nur Gewohnheit, bei Bedarf eine Shelly-Steckdose | Gering |
| Heizstab im Boiler | Ein und Aus nach Überschuss | Shelly oder Loxone-Aktor im Verteiler, Elektriker | Gering |
| Wärmepumpe Warmwasser | SG-Ready-Kontakt oder Modbus | Aktor am SG-Ready-Eingang oder Netzwerkanbindung, Freigabe im Menü der Wärmepumpe | Mittel |
| Wallbox | Ladestrom in Ampere, Start und Stopp, Phasenumschaltung | Steuerbare Wallbox mit OCPP, Modbus oder lokaler Schnittstelle | Mittel |
| Batteriespeicher | Meist automatisch über den Wechselrichter, gezielt per Modbus | Wechselrichter mit offener Schnittstelle | Mittel bis hoch |
| Heizung | Sollwert-Anhebung per SG-Ready oder Modbus | Wie Warmwasser, sinnvoll nur mit Fußbodenheizung | Mittel |
Warmwasser: Wärmepumpe oder Heizstab
Der Heizstab ist die billigste Lösung. Ein Schaltaktor, etwa ein Shelly im Verteiler, schaltet ihn ein, sobald Überschuss da ist. Der Nachteil: Aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme, mehr nicht. Die Wärmepumpe macht aus derselben Kilowattstunde rund drei Kilowattstunden Wärme, weil sie Umgebungswärme mitnimmt. Sie ist die effizientere Wahl, wenn sie sich ansteuern lässt.
Dafür gibt es SG-Ready, einen genormten Steuereingang an vielen Wärmepumpen. Ein kleiner Aktor schließt den Kontakt, und die Wärmepumpe hebt das Warmwasser zum Beispiel auf 55 Grad an. Alternativ läuft die Steuerung über Modbus, ein Datenprotokoll über Netzwerk, mit dem sich Sollwerte direkt setzen lassen. Modbus können zum Beispiel Lambda, Vaillant, Viessmann, Stiebel Eltron, Daikin und Nibe. Genau hier glänzt Home Assistant: Viele Hersteller bindet es direkt lokal ein, ohne Modbus und ohne Cloud. Wo das nicht geht, bleibt Modbus, und zur Not die Cloud-Schnittstelle des Herstellers. Genau hier glänzt Home Assistant: Viele Hersteller bindet es direkt lokal ein, ohne Modbus und ohne Cloud. Wo das nicht geht, bleibt Modbus, und zur Not die Cloud-Schnittstelle des Herstellers.
Ob deine Wärmepumpe SG-Ready hat, steht im Handbuch unter Steuereingänge oder Smart Grid. Bei älteren Geräten fehlt der Kontakt oft. Dann bleibt der Heizstab oder ein Zeitprogramm, das die Warmwasserbereitung in die Mittagsstunden legt.
Wallbox: So funktioniert Überschussladen
Die Steuerung muss zuerst wissen, wie viel Überschuss gerade da ist. Dafür braucht es eine Messung am Netzanschluss, also dort, wo der Strom ins Haus kommt oder hinausgeht. Drei Wege gibt es: die Kundenschnittstelle des Smart Meters, die der Netzbetreiber auf Antrag freischaltet, ein eigener Zähler wie der Shelly Pro 3EM im Verteiler, der alle drei Phasen misst, oder die Daten des Wechselrichters, wenn er einen eigenen Netzzähler hat. Den Shelly setzt der Elektriker.
Dann braucht es eine Zentrale, die aus dem Messwert eine Entscheidung macht. Das kann Home Assistant sein, Loxone mit seinem Energiemanager oder evcc, eine freie Software, die auf Überschussladen spezialisiert ist und sich in Home Assistant einbinden lässt. Die Zentrale rechnet aus Überschuss und Sicherheitsreserve den Ladestrom, den die Wallbox bekommen darf.
Die Wallbox selbst muss steuerbar sein, also Ladestrom, Start und Stopp von außen annehmen. Das geht über OCPP, ein offenes Protokoll für Ladestationen, über Modbus oder über die lokale Schnittstelle des Herstellers. go-e, KEBA, Fronius Wattpilot, openWB und Easee können das. Eine Wallbox mit Schlüsselschalter und sonst nichts kann es nicht.
Zwei Zahlen sind entscheidend. Ein E-Auto lädt einphasig frühestens ab 6 Ampere, das sind rund 1,4 Kilowatt. Darunter geht nichts, also wartet die Steuerung, bis der Überschuss diese Mindestladeleistung erreicht. Damit die Wallbox nicht bei jeder Wolke abschaltet, gibt es Schwellwerte mit Verzögerung: Erst wenn der Überschuss ein paar Minuten unter der Grenze liegt, wird pausiert. Wer morgens sicher ein volles Auto braucht, bekommt zusätzlich eine Zielzeit, bis zu der notfalls aus dem Netz nachgeladen wird.
Warum die Hersteller-App nicht reicht
Fast jeder Wechselrichter, jede Wallbox und jede Wärmepumpe bringt eine eigene App mit, und viele versprechen darin PV-optimiertes Laden. Das funktioniert, solange alles vom selben Hersteller kommt. Die App des Wechselrichter-Herstellers kennt die eigene Wallbox, aber nicht die Wärmepumpe einer anderen Marke. Jedes Gerät sieht nur sich selbst und greift nach demselben Überschuss.
Das Ergebnis: Wallbox und Wärmepumpe starten gleichzeitig, ziehen zusammen mehr, als die PV liefert, und der Rest kommt aus dem Netz. Erst eine gemeinsame Zentrale, die alle Geräte sieht, kann eine Reihenfolge durchsetzen. Welche Zentrale zu deinem Haus passt, steht im Ratgeber Loxone oder Home Assistant.
Speicher und dynamische Tarife: ehrlich betrachtet
Ein Batteriespeicher steht oft ganz oben auf der Wunschliste. Er ist aber die teuerste Art, Überschuss aufzuheben. Er verschiebt Strom vom Mittag in den Abend und deckt dort den Grundverbrauch. Pro investiertem Euro bringt die Wärmepumpen-Anhebung meist mehr, weil sie mit vorhandener Technik auskommt. Ein Batteriespeicher rechnet sich deshalb oft langsamer. In meinen Projekten rechne ich zuerst Warmwasser und Wallbox durch und dann den Speicher.
Wenn ein Speicher schon da ist, lädt er bei vielen Wechselrichtern von selbst zuerst. Bei kleinem Abendverbrauch ist es besser, ihn erst ab einem bestimmten Überschuss zu laden und vorher das Warmwasser zu machen. Solche Regeln lassen sich über Modbus am Wechselrichter setzen, aber nicht bei jedem Modell.
Als Ausblick: Dynamische Stromtarife, bei denen der Preis stündlich mit der Strombörse schwankt, passen gut zu dieser Steuerung. Im Winter, wenn die PV wenig liefert, lädt das Auto dann in den günstigen Nachtstunden, und die Wärmepumpe legt ihre Laufzeit in die billigen Zeitfenster. Voraussetzung ist ein Smart Meter mit Viertelstundenwerten. Ob sich der Wechsel lohnt, hängt von deinem Verbrauchsprofil ab und ist ein eigenes Thema.
Checkliste: Was ich vor dem Termin brauche
Damit ich beim Erstgespräch sagen kann, was sich anbinden lässt, brauche ich ein paar Angaben. Fotos vom Typenschild reichen meistens.
- Wechselrichter: Hersteller und Modell, ob ein Batteriespeicher dran hängt, ob er im Netzwerk ist.
- Wärmepumpe: Hersteller, Modell, Baujahr, ob im Handbuch SG-Ready oder Smart Grid steht, ob eine Netzwerkbuchse da ist.
- Wallbox: Hersteller und Modell, ob sie im Netzwerk ist, ob eine App dazu läuft.
- Zähler: Ob ein Smart Meter mit Kundenschnittstelle verbaut ist und ob im Verteiler Platz für einen Shelly Pro 3EM ist.
- Smart Home: Ob schon Home Assistant, Loxone oder etwas anderes im Haus läuft.
- Verbrauch: Die letzte Jahresabrechnung und ein Screenshot der Einspeisung aus der Wechselrichter-App.
Mit diesen Angaben bekommst du von mir ein Konzept mit Vorrang-Reihenfolge und einen Festpreis. Was das Energiepaket enthält, steht auf der Seite Energiemanagement. Wenn du nicht sicher bist, was im Haus verbaut ist, ist der Smart-Home-Check vor Ort um 349 € der einfachste Einstieg. Der Betrag wird auf einen Folgeauftrag angerechnet.