Drei Wege, die ohne Stemmen auskommen
In meinen Projekten im Bestand laufen fast alle Nachrüstungen über drei Wege, meist in Kombination.
1. Funkaktor hinter dem bestehenden Schalter
Ein Aktor ist ein kleines Relais, das die Lampe schaltet und seine Befehle per Funk bekommt. Er sitzt in der Schalterdose hinter dem Schalter, der Schalter bleibt und funktioniert wie gewohnt. Typische Geräte sind Shelly-Module über WLAN, Zigbee-Unterputzaktoren oder bei Loxone die Air-Aktoren. Das ist der häufigste Weg für Licht und für Rollläden mit Motor.
2. Funkaktor im Verteiler
Kommen die Leitungen einzeln im Verteiler an, etwa von Rollladenmotoren oder den Heizkreisen der Fußbodenheizung, kommt der Aktor als Hutschienengerät in den Verteiler und schaltet mehrere Kreise auf einmal. Ob das geht, sieht man am offenen Verteiler in fünf Minuten.
3. Batteriebetriebene Sensoren und Taster
Alles, was nur melden oder auslösen soll, braucht keinen Strom aus der Wand. Fensterkontakte, Temperaturfühler, Präsenzmelder und zusätzliche Taster laufen jahrelang mit Batterie und werden geklebt oder geschraubt. Zigbee für Home Assistant, Loxone Air für den Miniserver. So kommt ein Präsenzmelder auch dorthin, wo nie ein Kabel geplant war.
Was hinter dem Schalter Platz braucht
Der Aktor muss in die Dose passen. Eine normale Schalterdose ist etwa 40 Millimeter tief. Ein Shelly Mini geht sich darin aus, wenn nicht schon eine Klemmleiste und sechs Adern drinnen sind. Ist die Dose zu voll, bohrt der Elektriker sie auf 60 Millimeter um. Das ist eine Stunde Staub, aber kein Schlitz durch den Raum.
Wichtiger ist der Neutralleiter, also der blaue Rückleiter, über den der Aktor seinen eigenen Strom bezieht. In Häusern ab den 90ern liegt er meist in der Schalterdose, in älteren Häusern oft nur an der Lampe. Ohne Neutralleiter gibt es zwei Auswege. Erstens Dimmer, die sich über die Lampe versorgen. Die brauchen eine Mindestlast, bei LED oft ein Bypass-Modul, und neigen zu Flackern. Ich setze das nur ein, wenn nichts anderes geht. Zweitens wandert der Aktor an die Lampe, wo der Neutralleiter sicher liegt, und der Schalter wird zum Taster-Eingang. Das ist meist die sauberere Lösung.
Bei einer Wechselschaltung im Flur liegt zwischen den Schaltern nur der Schaltdraht. Auch das geht, der Aktor kommt dann dorthin, wo beide Schalter zusammenlaufen, oder an die Lampe.
Rollläden, Heizkörper und Fußbodenheizung
Rollläden mit Motor und Taster sind der einfachste Fall. Ein Rollladenaktor wie der Shelly 2PM kommt hinter den Taster, der Taster bleibt. Rollläden mit Gurt sind ehrlich gesagt die schwierigere Baustelle. Elektrische Gurtwickler zum Aufsetzen laufen über eine Steckdose und sind für leichte Rollläden brauchbar. Sie sind laut, der Gurt bleibt Verschleißteil, und in eine Zentrale einbinden lassen sich nur wenige Modelle. Wer es richtig will, lässt einen Rohrmotor nachrüsten. Der braucht Strom im Rollladenkasten. Oft ist eine Steckdose in der Nähe, dann reicht ein kurzes Kabel ohne Schlitz.
Heizkörper bekommen Funk-Thermostate, die auf das vorhandene Ventil geschraubt werden. Sie melden die Raumtemperatur an die Zentrale und regeln nach Zeitplan und Anwesenheit, ein Fensterkontakt schließt das Ventil beim Lüften. Fußbodenheizung läuft über die Stellantriebe am Heizkreisverteiler. Dort liegen meist schon 230 Volt, ein Aktor mit mehreren Kanälen übernimmt die Kreise, bei Loxone der Ventilantrieb Air direkt am Verteiler. Die Raumtemperatur kommt von einem Batteriesensor im Raum.
Die Zentrale: Home Assistant oder Loxone Miniserver Go
Die Aktoren brauchen eine Zentrale, die Regeln ausführt und alles in einer App zeigt. Home Assistant ist eine offene Software auf einem kleinen Rechner im Haus, die mit Zigbee und Shelly gut zurechtkommt und praktisch jedes Gerät einbindet. Der Loxone Miniserver Go ist die Funk-Zentrale von Loxone, die mit Air-Komponenten ein geschlossenes, sehr stabiles System bildet. Beide laufen lokal ohne Cloud, das Haus funktioniert auch bei Internetausfall.
Grob gesagt: Home Assistant, wenn du viele verschiedene Geräte hast und Flexibilität willst. Loxone, wenn du ein System aus einer Hand willst und die Wartung an mich abgibst. Die Abwägung im Detail steht im Ratgeber Loxone oder Home Assistant, die Leistungen dazu unter Home Assistant und Loxone.
Warum nicht einfach alles über WLAN
Shelly-Aktoren sind beliebt, weil sie günstig sind und nur WLAN brauchen. Bei fünf oder zehn Geräten ist das kein Thema. Bei vierzig Aktoren wird jeder ein eigener WLAN-Teilnehmer, der dauerhaft mit dem Router spricht. Viele Router aus dem Paket von A1 oder Magenta werden dann träge, Geräte fallen kurz raus. Dazu kommt, dass Funk in Ziegel- und Betonhäusern schlecht durch die Decken kommt, mehr dazu im Ratgeber WLAN-Funkloch im Einfamilienhaus.
Zigbee und Loxone Air arbeiten anders. Jedes Gerät mit Netzstrom ist zugleich ein Verstärker für seine Nachbarn, je mehr Aktoren, desto dichter das Netz, und das WLAN bleibt frei. Darum empfehle ich Shelly für eine Handvoll Geräte und Zigbee oder Air, sobald das ganze Haus dran ist. Neuere Shelly-Generationen beherrschen inzwischen auch Zigbee.
Was der Elektriker trotzdem macht, und wo Kabel besser ist
Alles am 230-Volt-Netz ist Sache eines Elektrikers: Aktoren in Dosen klemmen, Hutschienengeräte setzen, Dosen vergrößern, einen Rohrmotor anschließen. Ich plane, lege fest, welches Gerät wohin kommt, und richte danach Zentrale, Automatik und App ein. Wenn du einen Elektriker hast, arbeite ich mit ihm zusammen, sonst bringe ich einen mit. Bei sehr alten Verteilern ohne Fehlerstromschutzschalter sagt er dir vorher, was zuerst zu tun ist.
Und ehrlich: Funk ist nicht immer die beste Lösung. In vielen Ziegelhäusern ab den 90ern liegen Leerrohre zu jeder Dose. Dann ziehe ich lieber ein paar Meter Kabel zur Decke für einen Präsenzmelder oder ein Netzwerkkabel zum Access Point, als drei Funkgeräte einzubauen, die das ersetzen sollen. Ein Kabel im Leerrohr ist in zwanzig Minuten drin und fällt nie aus.
Erst ein Raum, dann das Haus
Ich empfehle, mit einem Raum zu starten, meist Wohnzimmer oder Flur. Dort kommen Licht, Beschattung und ein Präsenzmelder dran, und du lebst zwei Wochen damit. Danach weißt du, was du im Rest des Hauses wirklich willst. Weil Zentrale und Funknetz schon stehen, ist jeder weitere Raum nur noch Montage und ein paar Regeln.
| Gewerk | Lösung ohne Stemmen | Bedingung | Typischer Aufwand |
|---|---|---|---|
| Licht | Aktor hinter dem Schalter, Präsenzmelder mit Batterie | Neutralleiter in der Dose oder an der Lampe, Dose nicht überfüllt | Unter einer Stunde pro Schalter, Melder in Minuten |
| Beschattung | Rollladenaktor hinter dem Taster oder im Verteiler | Motor vorhanden, sonst Rohrmotor nachrüsten | Unter einer Stunde pro Fenster, mit neuem Motor deutlich mehr |
| Heizung | Funk-Thermostate am Heizkörper, Aktor am Heizkreisverteiler | Normgewinde am Ventil bzw. 230 Volt am Verteiler | Thermostate in Minuten, Verteiler ein bis zwei Stunden |
| Zutritt | Elektronischer Zylinder oder Fingerprint an der Haustür | Zylinder mit Batterie tauschbar, Fingerprint braucht Strom an der Tür | Zylinder unter einer Stunde, Fingerprint mit Elektriker |
| Steckdosen | Zwischenstecker oder Aktor hinter der Steckdose | Platz in der Dose, Leistung des Geräts beachten | Zwischenstecker in Minuten, Unterputz wie beim Licht |
So bereitest du den Check vor
- Fotos vom offenen Verteiler. Die Abdeckung nimmt der Elektriker ab, nicht du.
- Eine Schalterdose aufschrauben lassen und fotografieren: Tiefe, Anzahl der Adern, blauer Neutralleiter ja oder nein.
- Rollläden: Motor oder Gurt, und wo die Taster sitzen.
- Heizung: Heizkörper oder Fußbodenheizung, und ob am Heizkreisverteiler Stellantriebe sitzen.
- WLAN-Abdeckung: in welchen Räumen das Handy heute schon schwach ist.
- Baujahr, Bauweise und ob Leerrohre vorhanden sind.
- Was dich im Alltag am meisten nervt. Das ist dein erster Raum.
Damit kann ich meist schon am Telefon sagen, ob das Funk-Starterpaket passt oder ob es eine eigene Planung braucht.