Warum Beton und Ziegel das Signal schlucken
WLAN ist Funk, und Funk verliert an jeder Wand Energie, je nach Baustoff mehr oder weniger. Eine Gipskartonwand oder eine Holzdecke nimmt wenig weg. Eine Ziegelwand nimmt deutlich mehr. Eine Stahlbetondecke ist der schlimmste Fall, weil die Bewehrung im Beton wie ein Gitter wirkt und das Signal zusätzlich reflektiert. In Oberösterreich ist das der Normalfall: Ziegelwände und Betondecken.
Dazu kommt der Standort des Routers. Das Gerät von A1 oder Magenta hängt dort, wo die Leitung ins Haus kommt, also im Keller oder im Technikraum. Von dort muss das Signal durch eine Betondecke und mehrere Wände bis ins Schlafzimmer. Das schnelle 5-GHz-Band, das ein Router für hohe Datenraten nutzt, wird dabei stärker gedämpft als das langsame 2,4-GHz-Band. Eine zweite Betondecke zum Dachgeschoss oder eine Außenwand Richtung Garten ist dann endgültig zu viel. Das ist Physik, kein Mangel am Gerät.
Warum ein Repeater es oft schlimmer macht
Ein Repeater empfängt das WLAN des Routers und sendet es noch einmal aus. Das hat zwei eingebaute Schwächen. Erstens muss er jedes Datenpaket erst empfangen und dann weitersenden, beides über dieselbe Funkstrecke. Damit bleibt jedem Gerät hinter dem Repeater bestenfalls die halbe Bandbreite. Zweitens steht der Repeater meist dort, wo das Signal des Routers schon schwach ist. Ein schlechtes Signal wird durch Wiederholen nicht besser.
Das dritte Problem ist das Kleben. Handy und Laptop entscheiden selbst, an welchem Sender sie hängen bleiben, und sie wechseln erst, wenn die Verbindung praktisch abreißt. Du gehst vom Obergeschoss ins Wohnzimmer, direkt neben den Router, und das Handy hängt weiter am Repeater oben mit einem Balken.
Ein Repeater kann für einen einzelnen Randraum hinter einer Holzdecke oder Leichtbauwand reichen. Als Lösung für ein ganzes Haus mit Betondecken taugt er nicht.
Mesh aus dem Elektromarkt: gleiches Problem, hübscher verpackt
Mesh-Sets bestehen aus zwei oder drei gleichen Stationen, die sich gegenseitig finden und die Geräte gemeinsam verwalten. Das Kleben lösen sie deutlich besser als Repeater, weil die Stationen sich absprechen und ein Handy aktiv zum stärkeren Sender schieben.
Der Rückweg zum Router bleibt aber Funk. Die Station im Obergeschoss muss ihre Daten per WLAN nach unten schicken, durch dieselbe Betondecke, die das Problem verursacht. Diesen Rückweg nennt man Backhaul. Ein drittes Funkband bei teureren Sets ändert daran nichts. Bei Ziegel und Holz kann Mesh ohne Kabel gut funktionieren. Bei Stahlbeton zwischen den Ebenen bleibt die obere Station oft genauso abgeschnitten wie vorher der Repeater.
Fast alle Mesh-Sets lassen sich auch per Netzwerkkabel verbinden. Wer das Kabel aber ohnehin legt, bekommt für ähnliches Geld ein System, das für genau diesen Zweck gebaut ist.
Access Points am Kabel: so machen es Hotels und Schulen
Ein Access Point ist ein reiner WLAN-Sender ohne eigene Router-Funktion. Er hängt mit einem Netzwerkkabel am Switch, dem Verteiler im Netzwerkschrank, und bekommt über dasselbe Kabel auch seinen Strom. Das nennt sich Power over Ethernet, kurz PoE, und spart die Steckdose am Montageort. Weil die Daten über das Kabel laufen, liefert jeder Access Point in seinem Stockwerk die volle Leistung, egal wie dick die Decke ist.
Zusammengehalten wird das Ganze von einem Controller. Bei TP-Link Omada, dem System, mit dem ich arbeite, ist das ein kleines Gerät namens OC200 im Netzwerkschrank. Der Controller lässt alle Access Points dasselbe Netz mit demselben Namen und Passwort ausstrahlen und schiebt Geräte aktiv zum jeweils besten Sender. Du gehst vom Obergeschoss in den Garten und das Telefonat läuft weiter. Ein Abo braucht es dafür nicht.
Der Provider-Router bleibt im Haus, wird aber auf Modembetrieb gestellt. Er übersetzt dann nur noch die Leitung von A1 oder Magenta ins Hausnetz und gibt Router-Funktion und WLAN an einen eigenen Router ab, im Omada-System den ER605. Alte Repeater werden abgebaut, denn nach der Umstellung stören sie nur noch.
Repeater, Mesh oder Access Points im Vergleich
| Repeater | Mesh ohne Kabel | Access Points am Kabel | |
|---|---|---|---|
| Bandbreite | Halbiert sich je Sprung | Rückweg über Funk, bei Beton stark gedämpft | Voll in jeder Ebene |
| Roaming | Geräte kleben am schwachen Sender | Gut, Stationen sprechen sich ab | Gut, vom Controller gesteuert |
| Kabel nötig | Nein | Nein, optional möglich | Ja, ein Netzwerkkabel je Access Point |
| Kosten | Gering je Gerät, oft mehrfach gekauft | Mittel, ein Set liegt preislich nahe an Omada-Hardware | Access Points ca. 70 bis 115 € je Stück, Controller ca. 89 €, komplett mit Planung und Einrichtung ab 1.550 € |
| Für wen | Ein Randraum bei Holzdecke | Ziegel- oder Holzbau ohne Kabelmöglichkeit | Massivbau, mehrere Ebenen, Garten, Smart Home |
Hardwarepreise: österreichischer Fachhandel, Stand August 2026, ohne Gewähr.
Faustregel: ein Access Point je Ebene, einer für den Garten
Meine Faustregel aus der Praxis: ein Access Point je Ebene bis etwa 120 m², bei Betondecken zwingend. Für ein Haus mit Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss sind das drei Geräte. Im offenen Wohnbereich sitzt ein flacher Decken-Access-Point wie der Omada EAP653, der gleichmäßig nach allen Seiten strahlt. Für Schlafzimmer, Kinderzimmer und Büro nehme ich gern den EAP615-Wall, der in einer normalen Unterputzdose sitzt und kaum größer ist als ein Lichtschalter.
Für Garten, Terrasse und Pool gibt es kein Durchfunken durch die Außenwand, sondern einen wetterfesten Outdoor-Access-Point wie den EAP603-Outdoor an der Hauswand oder am Carport. Versorgt werden alle Geräte von einem PoE-Switch im Netzwerkschrank, zum Beispiel dem TL-SG2210P mit acht Anschlüssen.
Bei einer Sanierung mit offenen Wänden ist es der günstigste Moment: Netzwerkkabel in Leerrohre zu den geplanten Positionen. Im Bestand lässt sich oft ein vorhandenes Leerrohr nutzen, oder das Kabel läuft über Dachboden oder Keller. Das Verlegen macht der Elektriker, die Positionen plane ich vorher im Grundriss. Wie man im Altbau ganz ohne Stemmen weiterkommt, beschreibe ich im Ratgeber zum Smart Home im Altbau.
Selbstdiagnose: Wo hakt es wirklich
Bevor du etwas kaufst, geh diese Punkte durch.
- Router-Standort: Steht er im Keller, im Technikraum oder in einem Metallschrank? Dann ist der Standort das erste Problem.
- Baustoff: Betondecken zwischen den Ebenen oder Holzdecken? Ziegel- oder Leichtbauwände? Bei Stahlbeton hilft nur ein Kabel.
- Anzahl Ebenen: Eine, zwei oder drei? Ab zwei Ebenen mit Massivdecke braucht jede Ebene einen eigenen Sender.
- Wo genau es hakt: Ein einzelnes Zimmer am Rand, das ganze Obergeschoss, der Garten? Je klarer die Antwort, desto kleiner die Lösung.
- Was heute dranhängt: Repeater, Mesh und Powerline-Adapter fliegen bei einer Neuplanung raus.
Ehrlich gesagt reicht in manchen Fällen ein einzelner guter Router an der richtigen Stelle. Das gilt für Wohnungen, für einen Bungalow ohne Betondecke und für Häuser mit Holzdecken bis etwa 120 m² je Ebene. Dann ist die günstigste Maßnahme, den Router aus dem Keller in die Mitte des Hauses zu holen. Das braucht ein einziges Netzwerkkabel vom Modem bis dorthin. Erst wenn Stahlbeton, mehrere Ebenen oder der Garten dazukommen, lohnt sich das System mit Access Points.
Wenn du ein Smart Home planst, gilt das doppelt, denn Wärmepumpe, Wechselrichter, Wallbox und Kameras hängen alle im Netz. Was das für Wärmepumpe und Wallbox bedeutet, steht im Ratgeber zum PV-Überschuss. Mehr zur Planung mit Ausleuchtung im Grundriss: WLAN im ganzen Haus.